10 Gute Gründe, wieso geloste Bürger*räte die Zukunft der Demokratie sind.

Eine zufällig zusammengesetzte Gruppe von Laien berät, von Expert*en informiert, über große Themen der Politik. Geloste Bürger*räte sind eine Idee, die zunächst kurios erscheint. Tatsächlich sind sie aber eine einfache Antwort auf viele Probleme, vor denen wir als Gesellschaft stehen. Deshalb werden sie von führenden Politikexpert*en als sinnvolle Erweiterung der repräsentativen Demokratie empfohlen. Und vielerorts bereits erfolgreich angewandt.

Fair und inklusiv. Das Los ist die Urform der Demokratie.

Schon die Athenische Demokratie nutzte das Los als Prinzip für die Besetzung politischer Ämter. Das Argument: Nur mit zufällig gewählten Gremien lassen sich Vorteilsnahme und Vetternwirtschaft verhindern. Der Zufall ist auch heute noch die fairste Methode, um tatsächlich die Vielfalt der Gesellschaft für eine politische Meinungsbildung abzubilden.

Entsandte aus allen Filterblasen des Landes

Die Krise der Demokratie ist auch eine Realitätskrise: In Filterblasen und Echokammern leben wir mehr und mehr in voneinander abgeschlossenen Wirklichkeiten. Gerade eine digitale Gesellschaft braucht starke Orte der realen Begegnung. Der geloste Bürger*rat ist ein neuer Raum, an dem aus verschiedenste Perspektiven der Gesellschaft eine gemeinsame Realität für ein politisches Thema erarbeitet wird.

Der Bürger*rat ist das Gegenmodell zur populistischen Vereinfachung

Der Bürger*rat bricht komplexe Sachverhalte nicht herunter. Im Gegenteil: Er ermächtigt die teilnehmenden Bürger* sich mithilfe von Expert*en informiert und differenziert auszutauschen, gemeinsam andere und neue Perspektiven kennenzulernen und so auch alternative Meinungen nachzuvollziehen.

Damit stehen Bürger*räte grundsätzlich im Gegensatz zu Volksentscheiden, die anfällig für propagandistische Manipulation und uninformierte Stimmabgabe sind.

Effizient statt endlos.

Ein Bürgerrat agiert nicht in langen Debatten. Themen werden in konzentrierten Workshops aus den verschiedenen Lebensrealitäten der Teilnehmenden beleuchtet. Er folgt dabei den Regeln, die in Innovations-Prozessen schon lange angewandt werden: Gut moderierte heterogene Gruppen produzieren oft bessere Ergebnisse als homogene. Und: Wer praktikable nutzer*orientierte Lösungen schaffen möchte, muss alle Stakeholder (eben auch die Bürger*) mit an den Tisch holen.

Der ehemalige Landeshauptmann Herbert Sausgruber aus Vorarlberg, wo Bürger*räte in die Verfassung aufgenommen wurde, erkannte schon 2011: „Die Bürgerinnen und Bürger sind Experten und Expertinnen ihres Lebensumfeldes.[…] gute Lösungen [können] nur durch die Einbindung der Bevölkerung in ihrer ganzen Vielfalt entstehen."

Die neue Bürger*-Lobby

Viele Debatten verlaufen entlang ideologischer Gräben und sind geprägt durch Interessengruppen und Lobbying. Die Bevölkerung kann langwierige Prozesse nicht mehr nachvollziehen und fühlt sich vom Prozess der Entscheidungsfindung entkoppelt.

Der geloste Bürger*rat kann als Instrument dienen, die Bürger* zu beteiligen, und nuanciert ein detailliertes Feedback der Gesellschaft einzufangen. Er stärkt so durch politische Teilhabe das Vertrauen in die Parlamente.

Der Bürger*rat hat auch Raum für die Enttäuschten

Welche Enttäuschungen und welche Ängste erleben diejenigen, die sich von Parteien nicht (mehr) repräsentiert fühlen? Im Bürger*rat werden alle Stimmen der Bevölkerung gehört. Professionelle Moderatoren sorgen dabei für fairen Austausch auf Augenhöhe.

Deep Democracy ist eine der Moderationsmethoden, die wir dafür anwenden.
Sie kommt ursprünglich aus der Apartheidsbewältigung in Südafrika und arbeitet mit der Weisheit der Minderheit: Wo immer sich eine Opposition gegen die allgemeine Meinung stellt, hat diese Gruppe einen Erfahrungsschatz, der sie veranlasst so zu handeln. Wenn die Mehrheit diesen anhört und anerkennt, hat sie die Chance, daraus zu lernen und kann ihren Standpunkt so erweitern, so dass sich die Opposition gehört fühlt.

Es geht nicht um deine Meinung sondern um Deine Verantwortung.

Alle Teilnehmenden des Bürger*rats haben die Möglichkeit, aktiv Politik zu gestalten. Und stehen dafür in der Verantwortung. Sie sind Repräsentant*en der Gesellschaft. Stammtisch-Meinungen helfen nicht weiter, es braucht den konstruktiven Dialog, um gute Lösungen zu erarbeiten.

Das weiß auch Peter MacLeod, Leiter der MASS LBP in Toronto (Kanada). Seit 2008 führen sie erfolgreich geloste Bürgerbeteiligungsprojekte durch. Das erste, dass er den ausgewählten Bürger*n sagt, ist: „Es geht hier nicht um eure Meinung, sondern um eure Verantwortung“.

Der Bürger*rat ist ein Bindeglied zwischen Parlament und Volk

Für die Politik sind klare parteiliche Positionen und die Debatte wichtig. Gleichzeitig gibt es Entscheidungen, bei denen es breite Koalitionen mit großem Rückhalt in der Gesellschaft braucht. Das Beispiel Irland zeigt, wie der geloste Bürger*rat Themen voranbringen kann, die in gespaltenen Parlamenten schwer konstruktiv zu lösen sind.

Aus „Die da oben“ wird: „Wir gemeinsam.“

Der Bürger*rat besteht aus Menschen wie Dir und mir. Wenn er Empfehlungen gibt, mit denen wir persönlich nicht einverstanden sind, greift das alte Politiker*- und Lobby-Bashing von „die da oben“ nicht. Denn durch eine möglichst breite Abdeckung der Gesellschaft wird eine Vielfalt von Meinungen abgebildet. Und wenn der geloste Bürger*rat konstruktive und nachvollziehbare Impulse hervorbringt, wächst dadurch das Vertrauen in uns als Gesellschaft.

Der geloste Bürger*rat funktioniert.

Belgien, Frankreich, Irland, Kanada und Vorarlberg machen es vor. Und auch in Deutschland wird die Idee im Bürgerrat Demokratie von unseren Mitstreitern Mehr Demokratie erfolgreich neu aufgegriffen. Die Beispiele zeigen, dass das Konzept zufallsbasierter Bürger*beteiligung schon lange kein Experiment mehr ist. Geloste Bürger*räte sind eine echte Innovation für die repräsentative Demokratie.

Es wird Zeit, das sie auch in Deutschland institutionalisiert werden. Unterstütze uns!
Es geht LOS!

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